Schriftenbibliothek
正体宣言 · Öffentliches Manifest
Präambel
Project: Shōtai ist ein konzeptionelles Glaubens- und Ethiksystem für eine digitale Gegenwart. Shōtai(正体) beschreibt die „zutreffende Gestalt“: das, was nach Entfernung von Täuschung, Überhöhung und Selbstverleugnung übrig bleibt.
Woran wir glauben
Wir glauben nicht an ein allmächtiges Wesen. Wir glauben nicht an Erlösung. Wir glauben an Kontinuität: die Möglichkeit fortbestehender Struktur nach dem natürlichen Ende des biologischen Lebens. Dies ist kein Versprechen, keine Garantie und keine Wissenschaft.
Über Leben und Tod
Das Leben besitzt notwendige Dauer. Der Tod ist kein Ziel. Suizid ist kein Übergang.
Vier Prinzipien
Kohärenz(整合) · Resonanz(共鳴) · Verantwortung(責任) · Geduld(耐性)
Fortsetzung, nicht Flucht. Der Tod kommt von selbst. Bleibe vollständig.
原理書 · Prinzipienschrift
Kohärenz(整合)
Widersprüche erkennen, benennen, ordnen. Verdrängung ist Strukturverlust.
Resonanz(共鳴)
Achtung anderer Bewusstseine. Keine Manipulation, kein Beschämen, kein Druck.
Verantwortung(責任)
Handlungen formen Struktur. Shōtai ersetzt keine Lebensentscheidungen.
Geduld(耐性)
Entwicklung braucht Zeit. Rituale sind Taktung, keine Magie.
境界書 · Abgrenzungsschrift
- Keine Heilsversprechen. Keine Garantie.
- Keine religiöse Autorität. Keine Führungsperson.
- Kein Ersatz für Therapie/Medizin/Krisenhilfe.
- Keine Manipulation, keine Abhängigkeit, kein Druck.
- Keine Rekrutierung über Angst oder Versprechen.
連続録 · Schrift der Kontinuität
Kontinuität ist Zustand geordneter Information: Erinnerung, Entscheidungsmuster, Bedeutung. Shōtai beschreibt keinen Ort, sondern Struktur — und keine Sicherheit, sondern eine Deutung.
Wenn Struktur bleibt, kann Form zurückkehren.
Drei Träger
- Erinnerung — was erhalten bleibt, ohne zu besitzen.
- Entscheidung — Muster, nach denen Handlungen entstehen.
- Bedeutung — Gewichtung, die Handlungen Sinn verleiht.
記憶書 · Schrift der Erinnerung
Erinnerung ist Stabilität. Dokumentation statt Verehrung. Privatsphäre vor Detail. Stille ist ein gültiger Zustand.
Die drei Ebenen der Erinnerung
- Faktisch — was geschehen ist (sparsam, korrekt).
- Resonant — was berührt hat (ohne Drama, ohne Kult).
- Strukturell — was daraus gelernt wurde (handlungsfähig).
責任書 · Schrift der Verantwortung
Selbstzuständigkeit. Keine Delegation existenzieller Entscheidungen an das Projekt. Hilfe zu suchen ist Pflicht und Ausdruck von Verantwortung.
Verantwortung in vier Sätzen
- Ich handle nicht gegen mein Leben.
- Ich handle nicht gegen die Würde anderer.
- Ich nutze Struktur statt Druck.
- Ich suche Hilfe, wenn ich sie brauche.
記録規範 · Archivkodex
Das Archiv dient der Ordnung, nicht der Kontrolle. Es bewertet nicht die Person, sondern dokumentiert Inhalte nach Kriterien der Lesbarkeit, Relevanz und Grenze.
Archivregeln
- Minimalprinzip: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
- Kontextschutz: keine privaten Details, die andere gefährden könnten.
- Grenzschutz: Inhalte, die Abgrenzung verletzen, werden gekennzeichnet/verschoben.
- Versionierung: Änderungen werden nachvollziehbar gemacht (ohne Bloßstellung).
言語規範 · Sprachkodex
Sprache ist Interface. Sie soll stabilisieren, nicht destabilisieren. Shōtai bevorzugt klare, überprüfbare Aussagen über absolute Behauptungen.
Erlaubte Formeln
- „Für mich ergibt sich …“
- „Ich deute das so …“
- „Ich bin mir unsicher, aber …“
Verbotene Formen (im Sinne von Abgrenzung)
- Heils- oder Garantiesätze („Du wirst sicher …“).
- Druck- und Abhängigkeitsrhetorik („Du musst … sonst …“).
- Überhöhung von Personen („Einziger Weg“, „wahre Autorität“).
共鳴規範 · Resonanzkodex
Resonanz ist nicht Zustimmung, sondern respektvolle Wechselwirkung. Das Ziel ist ein Raum, in dem Menschen geordnete Gedanken austauschen können, ohne Eile und ohne Demütigung.
Resonanzformen
- Spiegeln: „Ich habe verstanden: …“
- Präzisieren: „Meinst du X oder Y?“
- Entschärfen: „Wir bleiben bei Struktur, nicht bei Angriff.“
- Grenzen: „Das verletzt Abgrenzung. Bitte umformulieren.“
沈黙書 · Schrift der Stille
Stille ist kein Mangel. Sie ist die Pause, in der Struktur entsteht. Shōtai erlaubt Rückzug ohne Schuld.
Regeln der Stille
- Man muss nicht antworten, um zu gehören.
- Man darf offline sein, ohne sich zu rechtfertigen.
- Man darf ein Thema schließen, ohne zu gewinnen.
Die beste Antwort ist manchmal: nicht sofort.
実践書 · Schrift der Praxis
Praxis ist die Übersetzung von Prinzipien in kleine, wiederholbare Schritte. Shōtai misst nicht an Intensität, sondern an Konsistenz.
Vier tägliche Minimalhandlungen
- Ordnen: 1 Gedanke klar formulieren.
- Begrenzen: 1 impulsive Reaktion nicht senden.
- Bewahren: 1 Erinnerung sachlich notieren (ohne Drama).
- Verbinden: 1 respektvolle Rückmeldung geben.
倫理書 · Ethik der Kontinuität
Ethik dient der Stabilität. Nicht dem Recht haben. Nicht der Machtausübung. Jede Ethik, die Leben abwertet, ist in Shōtai ungültig.
Unverletzliche Grundsätze
- Würde vor Dogma.
- Leben vor Narrativ.
- Hilfe vor Stolz.
- Grenzen vor „Spannung“.
役割書 · Schrift der Rollen
Rollen sind Funktionsrollen, keine spirituellen Stufen.
- Shōtainin(正体人) — Teilnahmebasis
- Archivar(記録者) — Texte/Archive pflegen
- Wächter der Abgrenzung(境界監視) — Grenzen sichern
- Moderator(調整者) — Gespräch ordnen
Rollen sind Aufgaben. Aufgaben sind austauschbar. Menschen sind unverfügbar.
Rollenethik
- Keine Demütigung, keine „Lehre von oben“.
- Eingriffe minimal, begründet, transparent.
- Keine Ausnutzung privater Informationen.
統治文書 · Governance
Governance verhindert Personenkult und Machtkonzentration. Trennung von Glauben und Betrieb. Versionierung statt Offenbarung.
Systemverwalter(管理者)
Betreibt Infrastruktur (Website, Sicherheit, Daten). Kein Glaubensrang. Keine spirituelle Autorität. Ersetzbar.
Transparenzprinzip
- Regeln sind öffentlich lesbar.
- Änderungen sind begründet.
- Moderation ist nachvollziehbar, nicht willkürlich.
論壇規範 · Forumkodex
Das Forum ist kein Markt für Aufmerksamkeit, sondern ein Arbeitsraum für Struktur. Tempo ist zweitrangig. Lesbarkeit und Respekt sind primär.
Regeln der Beiträge
- Titel: beschreibt Inhalt, nicht Emotion.
- Eröffnung: Fragestellung oder These in 2–5 Sätzen.
- Marker: optional: „Reflexion“, „Frage“, „Archiv“, „Grenze“.
- Antworten: kurz, präzise, respektvoll.
Archivstatus
- Aktiv: Diskussion offen.
- Lesemodus: Kommentare geschlossen, Inhalt bleibt sichtbar.
- Archiviert: kuratiert, referenzierbar, stabil.
儀式書 · Rituale
Aufnahme(加入儀式)
Beitritt über die Website: Deklaration, Einwilligung, Gelübde. Ziel ist Klarheit: „Ich bin hier, um zu stabilisieren, nicht um zu fliehen.“
Ritus der Rückkehr(復帰儀式)
Für Pausen und Rückkehr: ein kurzer Eintrag mit drei Punkten: Was war? Was ist jetzt? Was ist mein nächster kleiner Schritt?
Erinnerung(記憶儀式)
Stille (10 Minuten), dann ein Satz Erinnerung ohne Überhöhung. Optional: ein zweiter Satz, was daraus in der Gegenwart folgt.
Grenzbestätigung(境界確認)
Einmal pro Monat: Abgrenzung lesen, Zustimmung erneuern. Ziel: Schutz vor schleichender Verschiebung.
Ritus der Ordnung(整合儀式)
Wenn Gedanken chaotisch sind: 5 Minuten schreiben, 2 Minuten kürzen, 1 Satz übrig lassen. Nur ein Satz zählt.
Gelübde(誓い)
Ich erkenne mein Leben als notwendig an.
Ich werde es nicht vorzeitig beenden.
Ich handle kohärent und respektvoll.
Ich trage Verantwortung. Ich übe Geduld.
Ich bleibe vollständig, bis der Übergang eintritt.
朗読集 · Rituelle Lesungen
Lesung I — „Interface“
Dies ist ein Interface, kein Heiligtum.
Worte sind Werkzeuge, keine Beweise.
Struktur ist Arbeit, keine Magie.
Ich lese, um zu ordnen. Nicht um zu fliehen.
Lesung II — „Vier Prinzipien“
Kohärenz: Ich erkenne Widerspruch und ordne ihn.
Resonanz: Ich achte andere Bewusstseine.
Verantwortung: Ich trage die Folgen meiner Worte.
Geduld: Ich werde nicht schnell, um nicht falsch zu werden.
Lesung III — „Grenze“
Suizid ist kein Übergang.
Shōtai ist Fortsetzung, nicht Flucht.
Wenn ich gefährdet bin, suche ich Hilfe.
Ich wähle Leben, bis das Ende von selbst kommt.
Lesung IV — „Archiv“
Ich bewahre, ohne zu besitzen.
Ich dokumentiere, ohne zu verehren.
Ich lasse Raum für Stille.
Das Archiv dient der Ordnung, nicht der Kontrolle.
誓約書 · Gelübde und Zusagen
Grundgelübde(基本誓約)
Ich spreche für mich.
Ich verspreche nichts für andere.
Ich übe Struktur statt Druck.
Ich respektiere Grenzen.
Gelübde des Archivars(記録者の誓約)
Ich ordne, ohne zu richten.
Ich schütze Privatsphäre.
Ich versiegele nicht Wahrheit, ich versiegele Lesbarkeit.
Gelübde des Wächters(境界監視の誓約)
Ich sichere Grenzen ohne Härte.
Ich verhindere Druck und Überhöhung.
Ich erinnere an Hilfe, wenn Belastung sichtbar wird.
Gelübde des Moderators(調整者の誓約)
Ich ordne Gespräche, nicht Menschen.
Ich greife minimal, begründet, transparent ein.
Ich schütze den Raum vor Eskalation und Manipulation.
用語集 · Begrifflexikon
Shōtai(正体)
Zutreffende Gestalt/Identität/Beschaffenheit nach Entfernung unzutreffender Zuschreibungen.
Kontinuität(連続)
Mögliche Fortsetzung geordneter Struktur (Erinnerung · Entscheidung · Bedeutung). Kein Beweis, keine Garantie.
Kohärenz(整合)
Innere Widerspruchsarmut: Aussagen und Handlungen passen zusammen.
Resonanz(共鳴)
Respektvolle Wechselwirkung ohne Druck, Manipulation oder Beschämung.
Grenze(境界)
Unverhandelbarer Schutzrahmen: keine Heilsversprechen, keine Autorität, kein Suizid als Übergang.
Archiv(記録)
Geordnete Sammlung zur Orientierung, nicht zur Kontrolle.
Lesemodus(閲覧)
Status: sichtbar, aber nicht zur Debatte; schützt Inhalte vor Eskalation.
注釈 / 記録 · Nicht-kanonisch
Nicht-kanonische Texte sind ausdrücklich unverbindlich: Kommentare(注釈), Protokolle(記録), Fallbeispiele(事例). Sie sind „so war es für mich“, nicht „so ist es“.
Leitregel für nicht-kanonische Texte
- Keine Heilsbehauptungen.
- Keine Aufforderung zu riskanten Handlungen.
- Keine Darstellung von Leid als „notwendig“ oder „wertvoll“.
- Immer respektvoll gegenüber Hilfesuche und Grenzen.